Bohrwiderstandsmessung in der Baumdiagnostik

Bohrwiderstandsmessung in der Baumdiagnostik

Punktgenaue Prüfung von Restwandstärke und Holzfestigkeit

Mit der Bohrwiderstandsmessung lässt sich gezielt an verdächtigen Stellen prüfen, wie viel tragfähiges Holz im Stamm, Stammfuß oder in auffälligen Wurzelanläufen noch vorhanden ist. Das Verfahren ergänzt Sichtkontrolle, Schalltomographie und Zugversuch um eine punktgenaue, hochauflösende Messung entlang einer konkreten Bohrlinie.

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Techniker führt eine Bohrwiderstandsmessung am Stamm eines Baumes durch
Bohrwiderstandsmessung im praktischen Einsatz am Stamm

Wie funktioniert die Bohrwiderstandsmessung?

Bei der Bohrwiderstandsmessung wird eine sehr dünne Bohrnadel in den Stamm, den Stammfuß oder in auffällige Wurzelanläufe gebohrt. Während des Bohrvorgangs misst das Gerät den Widerstand, den das Holz der Nadel entgegensetzt. Daraus entsteht eine Bohrkurve, die zeigt, wie sich die Holzfestigkeit entlang der gesamten Bohrstrecke verändert.

Gesundes Holz – erzeugt in der Regel einen hohen und gleichmäßigen Widerstand entlang der Bohrkurve.
Abgebautes oder hohles Holz – zeigt sich durch deutliche Abfälle, Unregelmäßigkeiten oder Widerstandsverluste in der Messkurve.
Restwandstärke – aus der Bohrkurve lässt sich punktgenau ableiten, wie viel tragfähiges Holz an der geprüften Stelle noch vorhanden ist.

Wann kommt die Bohrwiderstandsmessung zum Einsatz?

Die Messung wird nicht wahllos durchgeführt, sondern gezielt anhand sichtbarer Symptome am Baum angesetzt. Je nach Fragestellung reichen häufig eine bis wenige gezielte Bohrungen aus, bei komplexen Schäden, großen Stammquerschnitten oder unklaren Befunden können zusätzliche Messrichtungen erforderlich sein. Typische Anlässe sind:

  • Pilzfruchtkörper am Stamm oder Stammfuß
  • Risse oder alte Astausbrüche
  • Höhlungen oder schwarze Leckstellen
  • Einwallungen oder Schadsymptome am Stammfuß
  • Auffällige Befunde aus einer vorangegangenen Schalltomographie

Vorteile und Einschränkungen

  • Hohe Genauigkeit: Entlang der jeweiligen Bohrlinie lässt sich die Holzfestigkeit sehr präzise beurteilen.
  • Ideal zur Verdachtsprüfung: Besonders geeignet, um einen Verdacht aus Sichtkontrolle oder Schalltomographie gezielt zu überprüfen oder die Restwandstärke zu bestimmen.
  • Punktuelle Messung: Es wird immer nur die konkrete Bohrlinie erfasst – der gesamte Stammquerschnitt wird nicht flächig dargestellt.
  • Kombination sinnvoll: Bei Bedarf wird die Bohrwiderstandsmessung mit Schalltomographie oder Zugversuch kombiniert, um ein vollständiges Bild zu erhalten.

Praxisbeispiel

Ein alter Baum zeigt Pilzfruchtkörper am Stammfuß. Die Sichtkontrolle liefert zunächst nur äußere Hinweise auf eine mögliche Fäule. Eine Schalltomographie zeigt, ob und wo im Querschnitt auffällige Zonen vorhanden sind. Mit der Bohrwiderstandsmessung wird anschließend gezielt geprüft, wie viel tragfähiges Holz an der kritischen Stelle tatsächlich noch vorhanden ist. Auf dieser Grundlage lässt sich wesentlich genauer entscheiden, ob der Baum erhalten werden kann, ob eine Kroneneinkürzung sinnvoll ist oder ob weitergehende Maßnahmen erforderlich sind.