Austernseitling (Pleurotus ostreatus): Erkennen und Bedeutung für die Baumkontrolle

Pilzlexikon · Weißfäule

Austernseitling

Pleurotus ostreatus

Austernseitling (Pleurotus ostreatus): typisches Erscheinungsbild
Foto: Dominicus Johannes Bergsma, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
  • Fäuletyp: Weißfäule
  • Befallene Baumteile: Stamm, Krone
  • Wirte: Laubbäume, vor allem Buche, Pappel, Weide und Ahorn
  • Fruchtkörper: Fruchtkörper bevorzugt in der kühlen Jahreszeit, oft nach den ersten Frösten

Erkennen am Baum

Dachziegelig übereinander wachsende, muschel- bis zungenförmige Hüte, grau bis graublau, mit weißen, am Stiel herablaufenden Lamellen. Erscheint büschelweise an Stammwunden, Aststummeln und entlang von Faulhöhlen, auch in mehreren Metern Höhe.

Womit man ihn verwechselt

Andere Seitlingsarten wie der Lungenseitling (heller, eher Sommer) sowie büschelige Winterpilze wie der Samtfußrübling (samtiger dunkler Stiel, kleinere Hüte). Für die Baumbewertung ist die Unterscheidung innerhalb der Seitlinge nachrangig, der Standort des Büschels am Stamm ist die eigentliche Information.

Die Fäule und ihre Folgen

Weißfäule im Stammholz, meist ausgehend von Verletzungen, Aststummeln und bereits vorgeschädigten Partien. An lebenden Bäumen ein Schwächeparasit, der etablierte Fäulen anzeigt und beschleunigt.

Fruchtkörperbüschel markieren fast immer eine bereits bestehende Fäulezone im Stamm oder Stämmling. Am wandernden Befall entlang eines Stämmlings lässt sich die Ausdehnung der Zersetzung oft direkt ablesen. Bruchgefahr besteht vor allem an den besiedelten Stämmlingen und Starkästen.

Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet

Befallene Achsen gezielt prüfen: Bohrwiderstandsmessung auf Höhe der Fruchtkörper und darüber, bei hoch liegenden Befallsstellen per Seilklettertechnik. Die Frage ist selten, OB dort Fäule ist, sondern wie viel tragende Restwand bleibt und ob eine Einkürzung die Achse sichern kann.

Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.

Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).