Hallimasch (Armillaria spp.): Erkennen und Bedeutung für die Baumkontrolle

Pilzlexikon · Weißfäule

Hallimasch

Armillaria spp. (Artenkomplex, u. a. A. mellea, A. ostoyae, A. gallica)

Hallimasch (Armillaria spp.): typisches Erscheinungsbild
Foto: Holger Krisp, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
  • Fäuletyp: Weißfäule
  • Befallene Baumteile: Wurzel, Stammfuß
  • Wirte: Sehr breites Wirtsspektrum: praktisch alle Laub- und Nadelbäume, geschwächte Bäume bevorzugt
  • Fruchtkörper: Honiggelbe Fruchtkörperbüschel im Herbst, oft nur wenige Wochen; Rhizomorphen und Myzelfächer ganzjährig

Erkennen am Baum

Im Herbst büschelige, honiggelbe bis bräunliche Hüte am Stammfuß, an Wurzelanläufen oder auf Wurzeln im Umfeld. Ganzjährig beweiskräftiger: weiße, fächerförmige Myzelplatten unter der Rinde (Myzelfächer, riechen deutlich pilzig) und schwarze, wurzelartige Rhizomorphen unter der Rinde und im Boden. Häufig begleitet von Harz- oder Schleimfluss am Stammfuß und absterbender Rinde.

Womit man ihn verwechselt

Fruchtkörper ähneln dem Sparrigen Schüppling und dem Goldfell-Schüppling (beide ebenfalls büschelig am Stammfuß). Sicherstes Unterscheidungsmerkmal des Hallimaschs sind Myzelfächer und Rhizomorphen unter der Rinde. Die Artbestimmung innerhalb des Hallimasch-Komplexes ist im Feld kaum möglich und für die Verkehrssicherheitsfrage selten entscheidend.

Die Fäule und ihre Folgen

Intensive Weißfäule in Wurzeln und Stammfuß. Der Pilz kann als aggressiver Schwächeparasit ganze Wurzelsysteme zersetzen und Bäume zusätzlich über sein Rhizomorphen-Netz von Baum zu Baum besiedeln.

Wurzel- und Stammfußfäule mit Wirkung auf Stand- UND Bruchsicherheit. Je nach Art und Baumvitalität verläuft der Befall über Jahre schleichend oder aggressiv. Absterbende Kronenpartien, Zwergbelaubung und Harzfluss sind späte Warnzeichen; die Standsicherheit kann zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich reduziert sein.

Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet

Bei belasteten Standorten eingehende Untersuchung: Bohrwiderstandsmessung am Stammfuß und an Wurzelanläufen für die Fäuleausdehnung, bei Zweifeln an der Verankerung Zugversuch oder Windreaktionsmessung. Wichtig ist die Umfeldkontrolle: Hallimasch tritt oft gruppenweise auf, Nachbarbäume mitprüfen.

Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.

Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).