Massaria-Krankheit der Platane (Splanchnonema platani): Erkennen und Bedeutung für die Baumkontrolle

Pilzlexikon · Weißfäule

Massaria-Krankheit der Platane

Splanchnonema platani (Nebenfruchtform Macrodiplodiopsis desmazieri)

Massaria-Krankheit der Platane (Splanchnonema platani): typisches Erscheinungsbild
Eigene schematische Darstellung · Arbor surveyor GmbH
  • Fäuletyp: Weißfäule
  • Befallene Baumteile: Krone
  • Wirte: Ausschließlich Platanen, bevorzugt nach Trockenstress und an schwach dimensionierten Ästen
  • Fruchtkörper: Befall ganzjährig möglich und ganzjährig zu kontrollieren; auffällige Astabbrüche häufig im Sommerhalbjahr

Erkennen am Baum

Das Problem sitzt OBEN auf dem Ast und ist vom Boden aus kaum zu sehen: streifige, rosa-violette bis schwarze Verfärbungen entlang der Astoberseite, absterbende Rinde, schwarze Sporenlager. Vom Boden erkennbar sind oft nur abgestorbene Äste und frische Abbruchstellen mit auffallend heller, morscher Bruchfläche der Oberseite.

Womit man ihn verwechselt

Gewöhnliches Zopftrocknis und mechanische Astschäden. Der Verdacht entsteht aus dem Muster: Platane, Trockenjahre, Astabbrüche mit oberseitiger Fäule. Die Ansprache gelingt sicher nur von oben.

Die Fäule und ihre Folgen

Rasch fortschreitende Weißfäule an der Astoberseite: Der Schlauchpilz kann die Unterseite eines Platanenasts binnen weniger Monate so weit zersetzen, dass der Ast bricht, oft bei Windstille. Kein Stammfußpilz, sondern eine Ast-Krankheit mit eigener Kontrolllogik.

Für Kommunen mit Platanenalleen eine der wichtigsten Kronenkrankheiten überhaupt: Grünastabbrüche über Straßen, Parkplätzen und Schulhöfen mit sehr kurzer Vorlaufzeit. Die Regelkontrolle vom Boden stößt hier systematisch an ihre Grenze, das gehört ins Kontrollkonzept und in die Dokumentation.

Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet

Keine klassische Messfrage, sondern eine Zugangs- und Intervallfrage: Bei Platanen über Verkehrsflächen Kronenkontrolle von oben (Seilklettertechnik, Hubarbeitsbühne oder Drohne) in verkürzten Intervallen, befallene Äste zeitnah entnehmen. Nach Trockenjahren Kontrolldichte erhöhen und das im Kataster begründen.

Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.

Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).