Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola): Erkennen und Bedeutung für die Baumkontrolle

Pilzlexikon · Braunfäule

Rotrandiger Baumschwamm

Fomitopsis pinicola

Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola): typisches Erscheinungsbild
Foto: Achim Lammerts (Syntaxys), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
  • Fäuletyp: Braunfäule
  • Befallene Baumteile: Stamm, Stammfuß
  • Wirte: Vor allem Fichte und andere Nadelbäume, im Laubholz besonders geschwächte Buchen und Birken
  • Fruchtkörper: Mehrjährige Konsolen, ganzjährig sichtbar

Erkennen am Baum

Mehrjährige, dickliche Konsolen mit harziger, lackartig glänzender Kruste: alt grau-schwarz, zur Kante hin rotbraun bis orangerot mit heller Zuwachskante (namensgebender Dreiklang). Unterseite cremeweiß, feinporig. Erscheint an Stammverletzungen und großflächig an absterbenden Partien.

Womit man ihn verwechselt

Zunderschwamm (matte graue Kruste ohne roten Rand) und Lackporlinge (brauner Sporenstaub, Poren bräunen auf Druck). Die glänzend-harzige, dreifarbige Kruste ist im Feld gut erkennbar.

Die Fäule und ihre Folgen

Intensive Braunfäule mit Würfelbruch. Wie bei allen Braunfäulen bleibt das spröde Ligningerüst stehen: Das Holz wirkt lange formstabil, hat aber kaum noch Zugfestigkeit und versagt spröde.

An lebenden Bäumen ein ernstes Zeichen: Der Pilz besiedelt stark geschwächte oder absterbende Partien und zersetzt sie mit Braunfäule zügig. An Fichten nach Trockenjahren und Käferbefall Teil des großflächigen Absterbegeschehens; an Buchen Marker für den fortgeschrittenen Komplexschaden. Bruchversagen betrifft Stamm und Starkäste.

Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet

Bei Konsolen am lebenden Baum die Resttragfähigkeit der befallenen Achse mit Bohrwiderstandsmessung prüfen und die Gesamtvitalität bewerten; häufig ist der Befund Teil einer Absterbedynamik, bei der die ehrliche Empfehlung eher Fällung oder Torso als aufwendige Einzelmessung ist. Auch das gehört zur sauberen Bewertung.

Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.

Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).