Pilzlexikon · Braunfäule
Schwefelporling
Laetiporus sulphureus
- Fäuletyp: Braunfäule
- Befallene Baumteile: Stamm, Krone, Stammfuß
- Wirte: Vor allem Eiche und Robinie, daneben Weide, Pappel und Obstbäume
- Fruchtkörper: Auffällige einjährige Fruchtkörper von Mai bis August; ausgeblichene Reste oft bis in den Herbst
Erkennen am Baum
Unverwechselbar zur Saison: leuchtend schwefelgelbe bis orangefarbene, fächerförmige Konsolen in dachziegeligen Büscheln, jung saftig und weich, alt ausbleichend und kreidig zerbröselnd. Erscheint an Stammverletzungen, Höhlungsrändern und Starkastabbrüchen, gern hoch am Stamm.
Womit man ihn verwechselt
Zur Hauptsaison kaum zu verwechseln. Ausgeblichene Altfruchtkörper werden mit hellen Lackporling-Resten verwechselt; der kreidig-bröselige Zerfall und die Lage an Höhlungen sprechen für den Schwefelporling.
Die Fäule und ihre Folgen
Braunfäule (Destruktionsfäule): Der Pilz baut die Zellulose ab, das Ligningerüst bleibt stehen. Das Holz wird braun, spröde und zerfällt würfelig (Würfelbruch). Braunfaules Holz verliert seine Zugfestigkeit fast vollständig, Restwände tragen deshalb schlechter, als ihr Volumen vermuten lässt.
Wichtigster Braunfäule-Erreger an Alteichen. Die spröde Würfelbruch-Zersetzung entwickelt sich über Jahrzehnte in langlebigen Höhlensystemen; betroffene Eichen können lange stabil bleiben, kippen aber in der Bewertung schneller als Weißfäule-Fälle, weil braunfaule Restwände kaum Reserven haben. Häufig zugleich wertvoller Habitatbaum (Mulmhöhlen), also Verkehrssicherheit UND Artenschutz zusammen denken.
Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet
Restwandbewertung mit Bohrwiderstandsmessung an den tragenden Querschnitten, Höhlungen mit Endoskop ansprechen. Bei ausgedehnten Höhlungen bringt die Schalltomographie wegen der offenen Hohlräume oft kein verlässliches Bild, dann zählen Bohrwiderstand plus statische Berechnung. Kroneneinkürzung ist bei erhaltenswerten Habitatbäumen oft die tragfähige Alternative zur Fällung.
Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.
Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).