Tropfender Schillerporling (Pseudoinonotus dryadeus): Erkennen und Bedeutung für die Baumkontrolle

Pilzlexikon · Weißfäule

Tropfender Schillerporling

Pseudoinonotus dryadeus (früher Inonotus dryadeus, Eichen-Schillerporling)

Tropfender Schillerporling (Pseudoinonotus dryadeus): typisches Erscheinungsbild
Foto: Hannes Grobe, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
  • Fäuletyp: Weißfäule
  • Befallene Baumteile: Wurzel, Stammfuß
  • Wirte: Alteichen; andere Wirte sind die Ausnahme
  • Fruchtkörper: Einjährige Fruchtkörper von Juli bis Oktober, Reste oft länger erkennbar

Erkennen am Baum

Dicke, knollige bis konsolenartige Fruchtkörper am Stammfuß und über Wurzelanläufen, jung ockergelb bis rostbraun mit charakteristischen bernsteinfarbenen Guttationstropfen auf der Oberseite (namensgebend). Alt wird der Fruchtkörper schwarzbraun, rissig und bleibt als dunkler Klumpen liegen.

Womit man ihn verwechselt

Junge Exemplare ähneln anderen Schillerporlingen und jungen Lackporlingen; die Tropfenbildung und der Standort ausschließlich am Eichen-Stammfuß sind die verlässlichen Feldmerkmale. Alte schwarze Reste werden wie beim Brandkrustenpilz leicht als Verkohlung fehlgedeutet.

Die Fäule und ihre Folgen

Weißfäule der Starkwurzeln und des Stammfußes, fast ausschließlich an Eiche. Die Zersetzung betrifft die Verankerung, während Stamm und Krone lange unauffällig bleiben.

Der wichtige Wurzelfäule-Anzeiger der Alteiche und regelmäßig an gut kompartimentierenden, äußerlich vitalen Bäumen zu finden. Weil die Eiche Fäulen lange abschottet, wird der Befund gern unterschätzt; das Versagensbild ist aber der Windwurf, nicht der Stammbruch. Jeder Fund an einer Eiche mit hoher Sicherheitserwartung verdient eine Standsicherheitsprüfung.

Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet

Verankerung prüfen statt Stamm bohren: Zugversuch oder Windreaktionsmessung beantworten die Standsicherheitsfrage. Ergänzend Bohrwiderstandsmessung an Wurzelanläufen und Stammfuß, um die Ausdehnung in die tragenden Querschnitte zu erfassen. Verlaufskontrolle im verkürzten Intervall, da die Wurzelzersetzung von außen unsichtbar fortschreitet.

Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.

Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).