Alte Rotbuche in voller Belaubung, nach eingehender Untersuchung erhalten

Fall 1: Riesenporling an der alten Friedhofsbuche – der Zugversuch gibt die Antwort

Autor: Andreas Klocke, Sachverständiger für Baumstatik · zuletzt fachlich aktualisiert am 16.08.2026

Ausgangslage: Eine Rotbuche in der Alterungsphase, 22 Meter hoch, Stammumfang über drei Meter, auf einem historischen Gräberfeld eines Friedhofs in Ostwestfalen – umgeben von Wegen. Ein Baumpflegebetrieb aus der Region bat uns um die technische Untersuchung im Unterauftrag.

Der Verdacht: An den Wurzelanläufen fanden sich Fruchtkörper-Rudimente des Riesenporlings (Meripilus giganteus) – ein Pilz, der die Wurzeln zersetzt und bei Buchen gefürchtet ist, weil betroffene Bäume ohne sichtbare Vorwarnung kippen können. Nach Augenschein allein hätte hier vieles für eine vorsorgliche Fällung gesprochen.

Die Messung: Zugversuch nach der Inklinometer-Methode, ergänzt um eine Bohrwiderstandsmessung. Der Baum wurde kontrolliert unter Last gesetzt, die Reaktion des Wurzeltellers millimetergenau gemessen.

Das Ergebnis: Gleichmäßige, elastische Verformung – der Sicherheitsfaktor lag mit 2,14 bzw. 2,01 (zwei Auswertungsvarianten) deutlich über dem erforderlichen Grenzwert von 1,5.

Die Entscheidung: Die Buche ist standsicher und blieb stehen – ohne eine einzige Maßnahme, mit einem Kontrollintervall von 12 Monaten. Der Friedhof behielt seinen prägenden Altbaum, der Auftraggeber eine belastbare, dokumentierte Grundlage.

Alte Rotbuche in voller Belaubung – nach eingehender Untersuchung erhalten
Steht heute noch: die untersuchte Rotbuche.