Pilzlexikon · Weißfäule
Riesenporling
Meripilus giganteus
- Fäuletyp: Weißfäule
- Befallene Baumteile: Wurzel, Stammfuß
- Wirte: Vor allem Rotbuche, seltener Eiche und andere Laubbäume
- Fruchtkörper: Einjährige Fruchtkörper von Hochsommer bis Herbst, vergehen über Winter
Erkennen am Baum
Große, rosettenartige Büschel aus vielen flachen, braunen Einzelhüten am Stammfuß oder scheinbar frei auf dem Boden über Wurzeln, oft mehrere Rosetten um denselben Baum. Charakteristisch: Druckstellen und Poren verfärben sich schwarz (wichtiges Feldmerkmal). Alte, schwarz vergangene Fruchtkörper bleiben als Beleg des Vorjahresbefalls erkennbar.
Womit man ihn verwechselt
Klapperschwamm (Grifola frondosa, kleinere Hüte, schwärzt nicht) und Eichhase (Polyporus umbellatus, runde Hüte mit zentralem Stiel, schwärzt nicht). Die Schwarzverfärbung auf Druck trennt den Riesenporling zuverlässig ab.
Die Fäule und ihre Folgen
Intensive Weißfäule der Hauptwurzeln und des Wurzeltellers. Der Pilz zersetzt bevorzugt die statisch tragenden Starkwurzeln, während der Stamm oft völlig intakt bleibt: Das Versagensbild ist der geworfene Baum mit überraschend kleinem Wurzelteller.
Der Standsicherheits-Pilz der Buche. Weil er die Wurzeln zersetzt, sagt der Zustand des Stamms wenig über das Risiko: Vitale Krone und fester Stamm schließen einen kritisch zersetzten Wurzelteller nicht aus. Windwurf ohne Vorwarnung ist das typische Schadensbild, gerade bei voll belaubten Buchen im Sommersturm.
Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet
Bohrungen am Stamm beantworten die falsche Frage. Bei diesem Befund gehört die Verankerung geprüft: Zugversuch oder Windreaktionsmessung liefern den Sicherheitsfaktor der Standsicherheit. Ein Fund am stehenden Baum ist ein Fall für die eingehende Untersuchung, nicht für die Beobachtungsliste.
Aus unserer Praxis: Fallstudie: Riesenporling an der Friedhofsbuche, der Zugversuch gibt die Antwort
Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.
Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).