Pilzlexikon · Weißfäule
Sparriger Schüppling
Pholiota squarrosa
- Fäuletyp: Weißfäule
- Befallene Baumteile: Stammfuß, Wurzel
- Wirte: Laubbäume, in der Kontrollpraxis auffallend oft an Esche, Ahorn und Obstbäumen
- Fruchtkörper: Büschelige Fruchtkörper von August bis November
Erkennen am Baum
Dichte Büschel strohgelber bis rostbrauner Hüte am Stammfuß, Hut und Stiel auffällig sparrig-schuppig (abstehende, trockene Schuppen). Lamellen jung hell, später rostbraun. Wächst direkt am Holz, meist in der unteren Stammzone und an Wurzelanläufen.
Womit man ihn verwechselt
Hallimasch (glatterer, honiggelber Hut, Myzelfächer und Rhizomorphen unter der Rinde) und Goldfell-Schüppling (schmieriger, glänzender Hut). Die trocken-sparrige Beschuppung ist das beste Feldmerkmal. Verwechslung ist bewertungsrelevant, weil Hallimasch das aggressivere Schadbild haben kann; im Zweifel zählt die technische Prüfung, nicht der Name.
Die Fäule und ihre Folgen
Weißfäule im Stammfuß- und Wurzelbereich, häufig gemeinsam mit anderen Stammfußpilzen. Die Zersetzung entwickelt sich zu einer zentralen Kernfäule im unteren Stamm.
Zuverlässiger Anzeiger einer aktiven Stammfuß- und Wurzelfäule. Oft Teil eines Befallskomplexes (etwa zusammen mit Hallimasch an vorgeschädigten Eschen). Die Gefährdung entwickelt sich über Jahre; entscheidend ist, die Restwand zu quantifizieren, statt vom Fruchtkörper auf ein Pauschalurteil zu springen.
Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet
Eingehende Untersuchung am Stammfuß: Bohrwiderstandsmessung aus mehreren Richtungen für den Restwandverlauf, Schalltomographie zur Validierung der Querschnittsfläche. Bei vorgeschädigten Kronen (z. B. Eschentriebsterben) Gesamtstatik und Windangriffsfläche mitbewerten.
Aus unserer Praxis: Fallstudie: Eine Esche, vier gezielte Messungen (Sparriger Schüppling und Hallimasch am Stammfuß)
Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.
Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).