Auswertung einer Windreaktionsmessung: Neigung über Winddruck, Sicherheitsfaktor Wurzel 8,76: geringes Risiko

Fall 3: Die Folgemessung – das Naturdenkmal unter echtem Wind

Autor: Andreas Klocke, Sachverständiger für Baumstatik · zuletzt fachlich aktualisiert am 16.08.2026

Ausgangslage: Die Blutbuche aus Fall 2. Die Schalltomographie hatte die Bruchsicherheit des Stammes belegt – offen blieb die zweite Frage: Wie fest steht der Baum im Boden, wenn der Brandkrustenpilz im Wurzel- und Stammfußbereich aktiv ist? Standsicherheit lässt sich nicht sehen und nicht klopfen. Sie lässt sich nur messen.

Die Messung: Windreaktionsmessung – hochauflösende Neigungssensoren am Stammfuß, ein Anemometer über der Umgebung, dann übernimmt der Wind die Arbeit. Drei Stunden Messdauer bei Böen bis 56 km/h. Kein Seil, keine Sperrung, kein Eingriff: Der Baum wird von genau der Last geprüft, die ihn im Ernstfall umwerfen müsste.

Das Ergebnis: Die Wurzelverankerung reagierte über den gesamten Messzeitraum gleichmäßig elastisch (Korrelation 0,86). Hochgerechnet auf den Referenz-Orkan mit 120 km/h ergibt sich ein Sicherheitsfaktor von 8,76 für die Verankerung – der kritische Winddruck liegt um ein Vielfaches über dem, was am Standort je zu erwarten ist. Risikoeinstufung: gering.

Die Entscheidung: Beide Sicherheitsfragen – Bruch und Stand – sind jetzt mit Messwerten beantwortet. Das Naturdenkmal bleibt, das engmaschige Kontrollintervall überwacht die Entwicklung des Pilzes. So sieht ein vollständiges, gestuftes Untersuchungskonzept aus.

Auswertung der Windreaktionsmessung mit Sicherheitsfaktor 8,76 für die Wurzelverankerung
Die Original-Auswertung: Neigung über Winddruck, drei Stunden natürliche Windlast – Sicherheitsfaktor Wurzel 8,76.
Stamm der als Naturdenkmal geschützten Blutbuche mit Naturdenkmal-Plakette
Amtlich geschützt, technisch geprüft: die Blutbuche mit ihrer Naturdenkmal-Plakette.