Pilzlexikon · Weißfäule
Bleiglanz
Chondrostereum purpureum (Violetter Knorpelschichtpilz)
- Fäuletyp: Weißfäule
- Befallene Baumteile: Krone, Stamm
- Wirte: vor allem Prunus-Arten (Kirsche, Pflaume, Zwetschge); daneben viele weitere Laubgehölze
- Fruchtkörper: Fruchtkörper ganzjährig an Totholz und Wunden, frisch violett, ältere ausgeblasst graubraun; Milchglanz-Symptom in der Vegetationszeit
Erkennen am Baum
Zweigeteiltes Bild: Am Holz flache, wellige, frisch auffällig violette Fruchtkörperkrusten an Wunden, Stümpfen und Totholz. Am lebenden Baum der namensgebende Milchglanz, Blätter einzelner Äste wirken bleiern-silbrig statt sattgrün, weil sich Luft ins Blattgewebe schiebt.
Womit man ihn verwechselt
Silbrige Blätter entstehen auch durch Spinnmilben oder Trockenstress, dann aber meist gleichmäßig über die Krone verteilt statt astweise. Violette Krustenpilze gibt es mehrere; in Kombination mit Milchglanz an Prunus ist der Bleiglanz die sichere Annahme.
Die Fäule und ihre Folgen
Weißfäule im Splintholz, meist über Schnitt- und Rindenwunden einsteigend. Die eigentliche Schadwirkung läuft über ein Pilzgift, das in die Leitungsbahnen wandert und Blätter und ganze Kronenteile absterben lässt, lange bevor nennenswert Holz zersetzt ist.
Der klassische Baumpflege-Pilz: Er entscheidet über den richtigen Schnittzeitpunkt. Große Schnittwunden an Kirsche und anderen Prunus-Arten im Winter sind offene Türen, die Sporen fliegen bei feuchter Witterung fast ganzjährig, frische Wunden sind nur wenige Tage besiedelbar. Befallene Kronenteile sterben ab und werden zur Bruchstelle.
Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet
Bei Milchglanz-Symptomen den betroffenen Kronenteil zurückverfolgen, oft findet sich die Eintrittswunde. Konsequenz für die Pflege: Prunus im Sommer schneiden (Juli bis September), große Wunden vermeiden, sauberes Werkzeug. Abgestorbene Kronenteile zeitnah entnehmen, bei wiederholtem Befall Baumersatz einplanen statt weiterzuschneiden.
Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.
Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).