Habitatbäume im Leitungsbau: Untersuchung, Mulmbeprobung, Baumkontrolle an Trassen

Für Netzbetreiber, Bahn, Straßenbau, Windenergie und Umweltplanungsbüros

Habitatbäume an Trassen: untersuchen, beproben, wiederfinden

Die Kartierung liefert den Verdacht, die Genehmigung braucht den Nachweis. Wenn eine Leitung, eine Strecke oder eine Straße durch Gehölzbestände führt, muss für jeden Baum mit Höhle, Spalte oder Rindentasche geklärt werden, ob dort Fledermäuse oder Vögel sitzen. Wir liefern diese Klärung am einzelnen Baum: Zugang, Endoskopie, Mulmbeprobung, Bestimmung und eine Dokumentation, die im Planfeststellungsverfahren trägt.

3 Zugänge

Boden, Leiter, Seilklettertechnik, je Baum in der Vorerkundung festgelegt

Eigene Bestimmung

Haar- und Federproben werden von promovierten Biologen im Projektteam ausgewertet

Jeder Baum wiederauffindbar

GPS, Foto-Kennung und Katasterpunkt, auch Jahre nach der Kartierung

Was wir für Leitungsbau, Bahn und Straße leisten

  • Habitatbaumuntersuchung: Endoskopie von Höhlen, Spalten und Rindentaschen vom Boden, von der Leiter oder aus dem Seil; Wärmebild und Batdetektor als Ergänzung; Beurteilung der Quartiereignung je Struktur.
  • Mulmbeprobung: Probenentnahme mit Teleskopgreifer an mehreren Stellen des Höhlenbodens, Untersuchung auf Fledermaushaare, Kot, Federn und Nistmaterial, Negativnachweise mit derselben Sorgfalt, Probenarchiv bis Projektende. Die Probe beantwortet die Frage, die eine einzelne Höhlenkontrolle offen lässt: ob die Höhle über die Zeit genutzt wurde.
  • Baumkontrolle auf Kompensationsflächen und im Schutzstreifen: Regelkontrolle nach FLL-Baumkontrollrichtlinien, Zusatzkontrollen nach Sturm, Maßnahmen nach ZTV-Baumpflege, Dokumentation im System des Auftraggebers oder in unserem Baumkataster Arbovia mit GIS-Export und WFS.
  • Vorerkundung mit Fernerkundung: Kartierpunkte des Auftraggebers werden mit amtlichen Höhen- und Infrarotdaten abgeglichen, auf Baumwipfel gesetzt und nach Zugang und Priorität sortiert. So wird aus einer Punktliste eine Tourenplanung.
  • Artenschutzrechtliche Vorprüfung nach Paragraf 44 Bundesnaturschutzgesetz vor Fällung oder Rückschnitt, als Einzelprüfung oder für ganze Trassenabschnitte.
  • Baumschutzfachliche Baubegleitung nach DIN 18920 während der Bauphase, mit Schutzkonzept, Begehungen und Abschlussbericht.
  • Gehölzwertermittlung nach Methode Koch für Ersatz- und Ausgleichsfragen entlang der Trasse.
Blick in eine Baumkrone mit Kletterseilen bei der Untersuchung einer Höhle
Seilklettertechnik nur dort, wo die Struktur anders nicht erreichbar ist. Die Entscheidung fällt je Baum in der Vorerkundung.

So läuft es ab

  1. Datenübernahme: Kartierpunkte, Strukturattribute und Kulisse des Auftraggebers werden in unser Kataster übernommen, Koordinatensysteme und Nummernkreise bleiben erhalten.
  2. Vorerkundung: Abgleich der Punkte mit Höhen- und Infrarotdaten, Sichtung vor Ort, Markierung, Festlegung von Zugang und Priorität je Baum. Strukturen, die vom Boden aus abschließend beurteilt werden können, werden nicht geklettert.
  3. Untersuchung: Endoskopie, Wärmebild, Batdetektor, bei Bedarf Drohne für Kronenbereiche. Jede Struktur bekommt Lage, Höhe, Exposition, Tiefe, Befund und Foto.
  4. Beprobung und Bestimmung: Mulmproben je Höhle, Auswertung durch Biologen im Projektteam, Ergebnis je Probe mit Fundort und Zeitstempel.
  5. Bericht je Genehmigungsabschnitt: Tabelle je Baum und Struktur, Karten, Fotoanhang, Negativnachweise, Probenverzeichnis. Lieferung als PDF, Shapefile oder über die Schnittstelle in Ihr System.
  6. Folgekontrollen: Kompensationsflächen und Schutzstreifen bleiben im Kataster, Kontrolltermine und Maßnahmen laufen über die Vertragslaufzeit weiter.

Warum die Wiederauffindbarkeit entscheidet

Kartierungen entstehen oft Jahre vor der Untersuchung. Unter dem Kronendach weicht die GPS-Position leicht fünf bis fünfzehn Meter ab, Plaketten fehlen, der Nachbarbaum sieht gleich aus. Wer den falschen Baum untersucht, hat einen wertlosen Negativnachweis und im Verfahren ein Problem.

Wir setzen jeden Kartierpunkt vor dem Feldtag auf den Wipfel im amtlichen Höhenmodell, gleichen Höhe und Kronenform mit den Kartierfotos ab und vergeben eine eindeutige Kennung, die Foto, Probe und Bericht verbindet. Das Ergebnis ist ein Datensatz, der auch beim nächsten Verfahrensschritt noch stimmt.

Für wen wir das machen

  • Übertragungs- und Fernleitungsnetzbetreiber: Höchstspannungs-, Gas- und Wasserstoffleitungen mit Genehmigungsabschnitten über viele Kilometer und engen Untersuchungsfenstern. Wir stellen mehrere Teams für Zwei-Monats-Fenster.
  • Bahn und Straßenbau: Vegetationsmanagement, Rückschnitt und Fällung im Bestand, Baumkontrolle entlang von Strecken und Abschnitten, Baubegleitung bei Erhaltungsmaßnahmen.
  • Windenergie an Land: Höhlenbaum- und Quartierprüfung vor Rodung, Bauzeitenregelung, Begleitung der Fällung.
  • Wasserstraßen, Deichverbände, Flughäfen: Baumkontrolle und Artenschutz an linearen Anlagen mit hoher Sicherheitserwartung.
  • Umweltplanungsbüros: als Nachunternehmer für den Teil am Baum, während die Gesamtbewertung beim Büro bleibt.

Methodisch arbeiten wir nach dem Methodenhandbuch zur Artenschutzprüfung in Nordrhein-Westfalen und den Standards zur Fledermausquartierprüfung an Bäumen. Unsere Referenzen reichen von der Autobahn GmbH des Bundes über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bis zu Landesbetrieben und Kommunen. Wir führen selbst keine Fällungen und keine Baumpflege aus, deshalb steht in unseren Befunden nur, was der Baum zeigt.

Spechthöhle in einem Stamm, Beispiel für eine zu untersuchende Habitatstruktur
Von der Spechthöhle zum Quartier: Welche Struktur wen beherbergt, steht im Fachlexikon unter Baummikrohabitate.

Häufige Fragen

Was ist eine Mulmbeprobung und wann ist sie nötig?

Mulm ist das zersetzte Holz am Boden einer Baumhöhle. Fledermäuse hinterlassen darin Haare und Kot, Vögel Federn und Nistmaterial. Die Probe wird mit dem Teleskopgreifer an mehreren Stellen des Höhlenbodens entnommen und unter dem Mikroskop bestimmt. Nötig wird das, wenn ein Baum im Zuge eines Vorhabens entfernt oder eingekürzt werden soll und die Kartierung eine Höhle oder Spalte als potenzielles Quartier eingestuft hat. Der Nachweis oder Negativnachweis ist die Grundlage für die artenschutzrechtliche Bewertung nach Paragraf 44 Bundesnaturschutzgesetz.

Muss jeder Höhlenbaum geklettert werden?

Nein. Viele Strukturen lassen sich vom Boden aus mit Endoskop an der Teleskopstange, Wärmebildkamera und Fotodokumentation so weit beurteilen, dass eine Quartiereignung ausgeschlossen werden kann, weitere von der Leiter. Seilklettertechnik setzen wir dort ein, wo die Höhle hoch in der Krone liegt oder eine Probe anders nicht zu entnehmen ist. In der Vorerkundung entscheiden wir je Baum über den Zugang, damit der Untersuchungstag planbar bleibt und der Aufwand zur Struktur passt.

Was zeigt die Endoskopie und was zeigt die Mulmprobe?

Die Endoskopie zeigt die Struktur und den Besatz in dem Moment, in dem wir hineinsehen. Für die Frage, ob eine Höhle überhaupt als Quartier taugt, reicht das. Für die Frage, ob sie genutzt wurde, reicht es nicht: Baumhöhlen bewohnende Arten wechseln das Quartier alle zwei bis drei Tage, und eine Kolonie nutzt über einen Sommer eine ganze Reihe von Bäumen. Genau deshalb halten die Fachgrundlagen fest, dass die Endoskopie in der Ersterfassung im Regelfall nicht zielführend ist. Die Mulmprobe schließt diese Lücke, weil Haare als Keratin über lange Zeit in der Höhle liegen bleiben und damit auch im Winter und rückwirkend belegen, dass Fledermäuse die Höhle genutzt haben. Wir setzen beides zusammen ein, nicht das eine statt des anderen.

Wie werden Negativnachweise dokumentiert?

Genauso sorgfältig wie Funde. Je Struktur erfassen wir Lage, Höhe, Exposition, Öffnung, Tiefe, Endoskopbefund und Probenentnahme mit Foto, GPS-Position und Zeitstempel. Ein Negativnachweis ohne diese Angaben ist im Genehmigungsverfahren nichts wert. Die Proben werden bis zum Projektende aufbewahrt, damit ein Befund jederzeit nachgeprüft werden kann.

Arbeiten Sie auch als Nachunternehmer für Umweltplanungsbüros?

Ja. Die artenschutzrechtliche Gesamtbewertung bleibt beim Planungsbüro, wir liefern die Untersuchung am Baum: Zugang, Endoskopie, Beprobung, Bestimmung und die Dokumentation je Struktur im vereinbarten Datenformat. Das Büro bekommt belastbare Einzelbaumbefunde und muss keine Kletterer, Geräte und Laborkapazität vorhalten.

Einsatzgebiet: bundesweit entlang der Trasse, Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen. Rechtliche Hinweise auf dieser Seite ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.