Pilzlexikon · Weißfäule
Buchen-Schleimrübling
Mucidula mucida (Oudemansiella mucida, Beringter Schleimrübling)
- Fäuletyp: Weißfäule
- Befallene Baumteile: Krone, Stamm
- Wirte: Fast ausschließlich Rotbuche, sehr selten an anderen Laubhölzern
- Fruchtkörper: Erscheint nach Regen von Hochsommer bis Herbst, oft in mehreren Metern Höhe an Stamm und Ästen; die Fruchtkörper sind kurzlebig, die Fäule bleibt
Erkennen am Baum
Kleine, reinweiße bis leicht grauweiße Hüte von 2 bis 8 cm Durchmesser, die bei Feuchtigkeit glasig durchscheinend und deutlich schleimig sind. Der Stiel trägt einen häutigen Ring. Die Pilze stehen in Gruppen oder Büscheln an Stamm, Astabbrüchen und toten Ästen lebender wie abgestorbener Buchen, häufig hoch in der Krone. Bei trockenem Wetter glänzt der Hut wie lackiert. Ein Fund vom Boden aus ist typischerweise ein heller Fleck an einem toten Starkast.
Womit man ihn verwechselt
Am Baum kaum. Weiße Lamellenpilze in der Buchenkrone mit schleimigem Hut und Ring sind so gut wie immer der Schleimrübling. Der Wurzelnde Schleimrübling (Hymenopellis radicata) wächst am Boden über Buchenwurzeln, ist bräunlich und hat einen tief wurzelnden Stiel. Austernseitlinge sind grau bis braun, fleischig und ohne Ring.
Die Fäule und ihre Folgen
Weißfäule im Holz von Stamm und Starkästen der Rotbuche. Der Pilz lebt als Schwächeparasit an geschwächten Buchen und als Zersetzer an bereits abgestorbenen Kronenteilen. Der Fäulefortschritt ist langsam, der Fruchtkörper zeigt aber verlässlich an, wo das Holz abgestorben ist.
Der Schleimrübling ist kein Baumkiller, aber ein sehr guter Zeiger. Wo er fruchtet, ist das Holz tot, und zwar meist in der Krone an Ästen, die vom Boden aus noch belaubt oder unauffällig wirken können. Für die Verkehrssicherheit zählt deshalb nicht der Pilz, sondern der Ast, an dem er sitzt: Ein Starkast mit Schleimrüblingen über einem Weg ist ein Totholzbefund mit Fäule und gehört auf die Maßnahmenliste. Am Stamm ist der Pilz seltener und dort ein Hinweis auf eine abgestorbene Rindenpartie, hinter der die Weißfäule langsam in den Querschnitt zieht. Der Fund taucht bei Buchenkontrollen nach feuchten Spätsommern regelmäßig auf und wird wegen des harmlosen Aussehens gern unterschätzt.
Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet
Die Frage ist die nach dem betroffenen Kronenteil. Zuerst mit dem Fernglas klären, ob der Ast tot ist und wie stark er ist, dann die Fallzone bewerten. Totholz mit Fruchtkörpern über Verkehrsflächen wird entnommen; ein Rückschnitt in gesundes Holz genügt. Sitzt der Pilz am Stamm, den abgestorbenen Rindenbereich abgrenzen und bei Zweifeln an der Tragfähigkeit die Restwand mit der Bohrwiderstandsmessung prüfen. Wegen des langsamen Fäulefortschritts ist am Stamm selten Eile geboten, in der Krone dagegen ist der tote Ast das eigentliche Risiko.
Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.
Pilz an einem Baum, für den Sie verantwortlich sind?
Schicken Sie ein Foto vom Fruchtkörper und eins vom ganzen Baum an info@arbor-surveyor.de. Wir sagen Ihnen, ob gemessen werden sollte, welches Verfahren passt und was es kostet. Steht der Baum an Weg, Straße oder Spielplatz, rufen Sie lieber gleich an: 01525 3625996.
Fachliche Grundlagen u. a.: Klug/Lewald-Brudi: Holzzersetzende Pilze (2020) · Dujesiefken et al.: Baumkontrolle unter Berücksichtigung der Baumart (2021) · FLL-Richtlinien für eingehende Untersuchungen (2013).