Zottiger Schillerporling (Inonotus hispidus): Erkennen und Bedeutung für die Baumkontrolle

Pilzlexikon · Weißfäule

Zottiger Schillerporling

Inonotus hispidus

Zottiger Schillerporling (Inonotus hispidus): typisches Erscheinungsbild
Foto: Björn Appel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
  • Fäuletyp: Weißfäule
  • Befallene Baumteile: Stamm, Krone
  • Wirte: Laubgehölze, vor allem Apfel, Esche, Platane, Walnuss und Mehlbeere; an Nadelholz nicht bekannt
  • Fruchtkörper: Einjährig, frisch von Hochsommer bis Frühherbst; die eingetrockneten schwarzen Reste hängen oft bis ins nächste Jahr am Baum oder liegen in der Kronentraufe

Erkennen am Baum

Dicke, einzeln stehende Konsole von 10 bis 35 cm Breite und 5 bis 10 cm Dicke, am Stamm oder an Starkästen, häufig in mehreren Metern Höhe. Jung ist die Oberseite leuchtend orange bis rostbraun, filzig bis zottig behaart und durch den hohen Wassergehalt auffallend schwer; an der hellen Porenschicht treten Guttationstropfen aus. Im Herbst wird der Fruchtkörper rötlichbraun, dann schwarz, spröde und leicht. Genau dieser schwarze, verkohlt wirkende Rest ist im Winterhalbjahr das Erkennungsmerkmal, oft nur noch als abgefallener Klumpen unter dem Baum. Dazu gehören Rindennekrosen und Wülste am Stamm als Zeichen der Kambiumschädigung.

Womit man ihn verwechselt

Mit dem Tropfenden Schillerporling, der aber am Stammfuß von Eichen sitzt und nicht zottig behaart ist, sowie mit dem Flachen Schillerporling (Inonotus cuticularis), der dünner ist und meist dachziegelig übereinandersteht. Der Schwefelporling ist im Frischzustand ähnlich grell, hat aber eine glatte, schwefelgelbe Unterseite und wächst in dicken Büscheln. Ein schwarzer alter Fruchtkörper wird gelegentlich für Brandkrustenpilz gehalten; der Schillerporling ist jedoch ein abgelöster Klumpen, die Kruste des Brandkrustenpilzes sitzt flach auf dem Holz.

Die Fäule und ihre Folgen

Simultane Weißfäule, bei der Lignin und Zellulose gleichzeitig abgebaut werden; nach Angaben des Pflanzenschutzamts Berlin je nach Baumart auch mit Anteilen von Moderfäule. Der Pilz ist ein Wundparasit: Er dringt über frische Wunden und Schnittstellen ein, zersetzt das Holz von Stamm und Starkästen und kann zusätzlich das Kambium schädigen. Das zeigt sich als lang gestreckte Rindennekrosen und Wulstbildungen am Stamm. Wie aggressiv der Abbau läuft, hängt stark vom Wirt ab; die Esche gilt als schwach abschottende Baumart.

Der Zottige Schillerporling gehört zu den Pilzen, die bei der Regelkontrolle zwingend erkannt werden müssen, weil er die tragenden Achsen selbst befällt: den Stamm und die Starkäste, oft weit oben in der Krone. Der Fruchtkörper markiert die Stelle, an der das Holz schon so weit abgebaut ist, dass der Pilz fruchtet. Wie schnell es weitergeht, entscheidet die Baumart. An der Esche und am Apfel läuft der Abbau schnell und die Abschottung ist schwach, an der Platane kann derselbe Pilz über Jahre mit Wulstbildung eingegrenzt bleiben. Deshalb gibt es für diesen Pilz kein pauschales Urteil, sondern eine Ortsangabe und eine Frage nach der Restwand an der befallenen Achse. Wer im Winter nur den Stamm absucht, übersieht ihn: Dann liegt der Beweis als schwarzer Rest am Boden.

Was der Fund für die Baumkontrolle bedeutet

Zuerst die befallene Achse benennen und die Höhe notieren, dann Rindenzustand, Nekrosen und Wülste im Umfeld des Fruchtkörpers aufnehmen. Am Stamm beantwortet die Schalltomographie die Ausdehnung der Fäule über den Querschnitt, die Bohrwiderstandsmessung liefert gezielt die Restwand an der kritischen Stelle. Bei Befall an Starkästen ist die Einkürzung oder Entnahme des Astes meist die verhältnismäßige Antwort, bei tragendem Stammbefall an Esche oder Apfel muss die Prüfung zügig erfolgen. Schnittwunden in der Hauptflugzeit der Sporen (Sommer) vermeiden, weil der Pilz über frische Wunden eintritt.

Wichtiger Hinweis: Dieses Lexikon unterstützt die Ansprache am Baum. Es ersetzt weder die sichere Artbestimmung (im Zweifel gehört sie in fachkundige Hände, ggf. mit Mikroskopie) noch die Bewertung der Verkehrssicherheit im Einzelfall. Zur Essbarkeit von Pilzen treffen wir grundsätzlich keine Aussagen: Es geht hier um Baumstatik, nicht um Speisepilze.

Pilz an einem Baum, für den Sie verantwortlich sind?

Schicken Sie ein Foto vom Fruchtkörper und eins vom ganzen Baum an info@arbor-surveyor.de. Wir sagen Ihnen, ob gemessen werden sollte, welches Verfahren passt und was es kostet. Steht der Baum an Weg, Straße oder Spielplatz, rufen Sie lieber gleich an: 01525 3625996.

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